OTTERHOUND
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Sprechen Sie "Hündisch"? Verstehen Sie Ihren Hund?
Erstmals in der Schweiz, in der Region Solothurn, hielt die bekannte Hundetrainerin
und Autorin, Turid Rugaas aus Norwegen, Anfang Mai 2002, ein Seminar über "Calming
Signals".
Seit
vielen Jahren ist bekannt, dass Wölfe Signale benutzen, um aufkommende Konflikte
und Aggressionen zu unterbrechen oder zu vermeiden. Bereits in den 50-iger Jahren
wurden sie von Forschern beschrieben. Damals war man aber der Meinung, dass Hunde
nicht im gleichen Ausmass soziale Fähigkeiten besitzen wie Wölfe. Diese Annahme
veranlasste Turid Rugaas, Hunde genauer zu beobachten.
Wölfe
und Hunde sind eine Art "Cousins", sie sind sich so nahe Verwandt, dass man sie
noch über Generationen kreuzen kann. Trotz der Verschiedenheit beim Hund vom Äussern,
sind seine wölfischen Instinkte / Überlebensstrategien nach wie vor vorhanden.
Für ein Tier bedeutet dies; Nackenschütteln = ich töte dich!!!
Stress (Hunger, Durst, Angst, usw) ist ein wichtiger Auslöser für Instinkthandlungen
und manchmal auch für den Verteidigungsmechanismus.
Stress reduziert übrigens das Immunsystem und steigert die Krankheitsanfälligkeit. Wichtige Überlebensstrategien sind Flucht oder wie bereits erwähnt das Verteidigungsverhalten. Verteidigungsverhalten wird oft fälschlicherweise als Aggressionsverhalten interpretiert. Menschen können böse, aggressiv herum laufen, Wölfe und Hunde tun und können dies nicht. Hunde könne sich in bestimmten Situationen aggressiv verhalten, z.B. bei Bedrohung, wenn es um Futter geht oder bei Eindringen in ihr Territorium. Das Verteidigungsverhalten in solchen Fällen ist instinktiv. Aggressive Hunde gibt es nicht! Bevor ein Hund zur Verteidigung greift, sendet er diverse Calming Signals und Drohgebärden. Wir Menschen sollten viel mehr die Sprache und Signale der Hunde beachten, respektieren und uns "hundegemäss" verhalten. Viele Missverständnisse mit aggressiven Reaktionen könnten so vermieden werden. Wir müssen lernen, Hunde nicht in bedrohliche Situationen zu führen. Rudelverhalten gehört auch zur Überlebensstrategie, bei frei lebenden Wölfen verhält es sich nicht gleich wie bei gefangenen. Ein Rudel besteht aus einem Elternpaar und deren Nachkommen verschiedenen Alters. David Mitch, ein Verhaltensforscher, vertritt die Meinung, dass es kein Alpha-Tier im herkömmlichen Sinne im Wolfsrudel gibt. Es sind erwachsene, verantwortungsvolle, liebevolle, fürsorgliche Elterntiere welche die Führung des Rudels übernehmen, ohne jedesmal darauf zu bestehen, als erster zu fressen, oft haben Jungtiere den Vortritt. Von Natur aus, sind Wölfe und Hunde nicht gewohnt, alleine zu sein. Verlässt nun das Rudel für die Jagd die Welpen, bleiben diese niemals alleine zurück, mindestens ein "Babysitter" bleibt zur Betreuung zurück. Verlässt ein einzelnes, erwachsenes "Kind" das Rudel, so sucht es sich sofort einen neuen Partner um ein neues Rudel zu gründen. Welpen und Jungtiere werden ohne Brutalität erzogen. Kommt es doch einmal zur Korrektur, erfolgt diese mit dem "über die Schnauze fassen" und runter drücken, jedoch niemals mit Nackenschütteln oder auf den Rückenlegen. Jungtiere benutzen das "Nackenschütteln" manchmal und nur im Spiel zu Übungszwecken ihrer "Jagdtechnik". Dominant ist man nicht, weil man dauernd auf seine Vorrechte besteht, brutal und böse ist, sonder ruhig, besonnen, fürsorglich und überlegt handelt, für Ruhe und Ordnung sorgt (Splitting und andere Calming Signale) und somit seine Familie nicht in Gefahr bringt. Ohne Calming Signale könnte es zu Kämpfen kommen, was unnötig Energie verbraucht und ev. zum Verlust eines Rudelmitgliedes führt, was das Überleben des Rudels gefährden könnte.
Was sind nun aber diese Calming Signals (CS), Calming Signale dienen zur Beruhigung, zur Verständigung, zur Konfliktlösung und zum Stressabbau. Laut Turid Rugaas dienen ca. 30 solcher Signale unseren Hunden zum Zwecke der Kommunikation. Alle Hunde, jeder Rasse und jeden Alters verstehen Calming Signale, auch wenn sie selbst nicht alle CS verwenden. Diese Signale sind angeboren und werden von allen Hunden, der Entwicklung entsprechend angewendet. Bereits erst einige Tage alte Welpen zeigen das CS "Gähnen" wenn sie hochgehoben werden.
Der Hund setzt aber diese CS nicht nur bei seinen Artgenossen ein. Sehr häufig können wir beobachten, wie sie versuchen, uns Menschen in unserem "Alltagsstress" oder bei der Hundeausbildung zu beschwichtigen. Desgleichen können wir diese Signale benutzen, um mit dem Hund zu kommunizieren. Folgend sind die gängigsten Beschwichtigungssignale aufgezeigt. Es gibt Signale mit doppeltem Sinn und solche die nur zur Beschwichtigung dienen. Sie können einzeln, in Serie oder gekoppelt mit anderen CS gezeigt werden. Hunde benutzen sie, um sich gegenseitig zu helfen.
Das
wichtigste und häufigste Calming Signal ist das "Kopf abwenden", je nach Situation
wird es mehr oder weniger, kurz oder lange, zur Seite oder nach unten ausgeführt.
Zusätzlich, oder auch allein, kann mit den Augen kommuniziert werden. Augenzwinkern
(Blinzeln), Augenlider etwas schliessen um den Blick etwas weicher werden zu lassen,
nur die Augen vom Objekt abwenden, Augen nach unten gerichtet usw.. Genügt das
Kopf abwenden nicht, wird häufig das "Stehen bleiben - Verharren" ev. noch mit
"den Rücken zuwenden" als stärkeres Beschwichtigungssignal eingesetzt. Das Züngeln
oder lecken der Nase wird häufig, in für den Hund angespannten Situationen, angewandt.
Es kommt sehr schnell und kurz und wird daher oft von uns Menschen übersehen.
Gähnen ist ein faszinierendes und sehr wirkungsvolles Calming Signal. Ein Hund
gähnt z.B. wenn er beim Tierarzt ist, wenn es in der Familie zu lauten Streitigkeiten
kommt, wenn er von Kindern arg bedrängt wird, im Hundetraining, bei Sauerstoffmangel
usw. .Täglich können wir dieses Signal beobachten. Gähnen als wichtiges Signal
kann auch von uns angewandt werden. Es wirkt stressabbauend und beruhigend. Langsame
Bewegungen als CS sollen den Gegenüber besänftigen und beruhigen. Sehr oft können
wir dieses Verhalten beim Hund beobachten, wenn der Hundebesitzer unter Stress
steht. "Splitting" oder das "Dazwischengehen" (körperlich zwischen Hunde oder
Leute drängen), soll verhindern, dass sich bei allzu grosser Nähe unter Hunden
oder Menschen ein Konflikt bilden kann. Oftmals wird das "Splitting" fälschlicherweise
als Eifersuchtshandlung gedeutet. Es gibt viele weitere Calming Signale um Konflikten
aus dem Weg zu gehen, wie zum Beispiel am Boden schnüffeln, dies ist ein sehr
starkes CS. Urinieren kann auch als Beschwichtigung eingesetzt werden, sich dem
Vis à Vis in einem Bogen nähern, usw..
Drohgebärden wie bellen, knurren, Zähne zeigen, steifer Gang, Schnappen, Vorwärtsschiessen um etwas wegzuscheuchen usw. kennen die meisten Menschen. Wölfe und Hunde benutzen Drohgebärden, wenn ihr Verteidigungsmechanismus aktiviert wird, weil sie sich bedroht fühlen. Wir sollten klug genug
sein, Konflikt- und Stressituationen frühzeitig zu erkennen. Geben
wir den Hunden die Möglichkeit (Zeit und Platz), um Calming Signale zu senden
und helft ihnen, sich aus Konfliktsituationen zu befreien. Turid Rugaas Schlussworte waren: Geh nach Hause, beobachte Deinen Hund und richte dich danach! Mehr zu diesem Thema finden Sie in Turid Rugaas Buch, welches neu auch in deutscher Sprache erschienen ist. "Calming Signals - Die Beschwichtigungssignale der Hunde" Zur Person: Turid Rugaas arbeitet hauptberuflich mit Hunden seit über 35 Jahren. 1985 gründete sie die heute international anerkannte "Hagen Hundeskole" unter anderem mit Kursen für Problemlösungen. Ende der 80-iger Jahre begann sie zusammen mit einem Kollegen die Beschwichtigungssignale von Hunden langfristig und umfassend zu erforschen. Ihre Forschungsarbeit über Calming Signale bei Hunden und Wölfen hat die Norwegerin weltweit bekannt gemacht. Turid Rugaas ist Präsidentin der P.D.T.E. (Pet Dog Trainers of Europe) welche sich zum Ziel gesetzt hat, tierfreundliche Trainingsmethoden bekannt zu machen. | ||||||||||||||||||||||||||||
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