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Am Freitag den 24.
August 2001 ist in Freienstein bei Familie Löhrli das Zwergkänguru
Fönsi verschwunden. Fönsi ist ca. 50 cm. gross und 4 Kilo schwer,
mit seinen knapp 12 Monaten gilt Fönsi noch als "Baby".
Er wurde von der Familie mit der Flasche aufgezogen und ist absolut zahm.

Am Sonntagabend bekamen wir ein Telefon von einer Bekannten der Familie,
ob ev. Caja die Suche nach Fönsi unterstützen könnte. So
sind wir am Montagmorgen los gefahren, nach Freienstein in der Region
Bülach. Nach einem Gespräch mit der Familie, wie sich denn Fönsi
so im Alltag verhalten habe, wo er geschlafen und gegessen hat, seine
Lieblingsplätze und auf welchen Spaziergängen er schon war,
bereitete ich den Geruchsartikel für Caja im "Schlafsack"
von Fönsi vor. Caja durfte noch die nähere Umgebung auskundschaften
bevor sie ihr "Suchgeschirr" angezogen bekam. Mit Rucksack,
viel Wasser und einer Wanderkarte sind wir von Fönsis Schlafplatz
aus gestartet. Caja steuert von der Schlafstelle, geradewegs zum Lieblingsplatz
von Fönsi, schnuppert dort kurz und läuft dann geradewegs vom
Haus weg, der Strasse entlang Richtung Wald. Sie überquert ohne Zögern
Wegkreuzungen, um bei einem Maisfeld eine Richtungsänderung nach
links vorzunehmen. Von hier geht Caja alles dem Waldrand entlang, nur
kurz biegt sie in den Wald rein, wendet sofort wieder und läuft auf
dem Weg weiter, dann überquert sie eine Kuhweide dem Dorf Freienstein
entgegen. Sehr Zielstrebig durchquert Caja das Dorf, einzig bei zwei Häusern
läuft sie in den Innenhof und untersucht das Gelände genauer,
um danach ihren Weg wieder zügig weiter zu verfolgen. Ein ganzes
Stück läuft sie auf einem kaum sichtbaren Pfad der Töss
entlang, unter der 1. Brücke durch um bei der 2. Brücke die
Töss zu überqueren. Unbeirrt läuft Caja durch ein kleines
Quartier in den Wald rein. Eine zeitlang befinden wir uns auf dem Vitaparcour,
bevor Caja den "Hang" hinunter an die Töss zurückkehrt.
Dort sucht sie die Uferregion ab, kehrt ein Stück zurück und
läuft dann den Hang ungefähr 200 m versetzt zum Abstieg wieder
hinauf. Oben angekommen
haben wir die Sucharbeit abgebrochen, da wir gute 5 bis 6 Kilometer von
Fönsis Haus entfernt waren und wir nach dieser mehrstündigen
Suche alle auch erschöpft waren. Caja bekam ein grosses Lob für
ihre Mühe und eine Portion Futter.
Bei der Besprechung
waren natürlich viele Fragen offen:
-Ist es möglich, dass Fönsi so weit läuft?
Im Prinzip ja, in der Zeit von Freitagmittag
bis am Montag wäre das vorstellbar.
- Würde Fönsi ins Dorf laufen? Eventuell,
da er keine Angst vor Menschen, Tieren und Autos hat, zudem ist Fönsi
sehr neugierig und unerschrocken.
- Würde Fönsi quer durch den Wald laufen? Kaum oder nur sehr
ungern, da er mit seinen überaus langen Füssen im Dickicht hängen
bleiben würde und nur sehr beschwerlich vorwärts kommen könnte.
- Warum hat ihn niemand gesehen? Da Fönsi kaum grösser als eine
Katze ist, die Fellfarbe braun hat und in seinem Alter noch keine berühmten
Kängurusprünge machen kann, wäre er mit einer Katze verwechselbar.
- Was frisst Fönsi? Gras, Blätter, Obst usw. also absolut kein
Problem an Futter zu kommen.
So mussten wir
natürlich mit einer gewissen Enttäuschung an diesem Tag die
Suche mit Caja nach Fönsi aufgeben. Familie Löhrli bat mich,
wenn möglich am folgenden Tag doch nochmals einen Versuch zu starten.
Ich wies darauf hin, dass die Suche natürlich durch das Alter der
Fährte für Caja noch schwieriger würde. Fönsi wurde
doch schon 4 Tage vermisst und der Wetterbericht meldete schönes
heisses Wetter, was den Geruch der Fährte bedeutend schmälert.
Trotzdem wagten wir den Versuch, eine Kollegin, welche ihren Bassethound
auf die selbe Weise trainert wie ich Caja, begleitete uns am zweiten Tag
als Verstärkung.
Zweiter Suchtag:
Beide Hunde starteten
kurz nacheinander. Izabell der Bassethound als erste, sie nahm sofort
den selben Weg wie Caja am Vortag und entschwand im Wald unseren Blicken.
Caja suchte zuerst um das Bauernhaus, prüfte jede Strassenverzweigung,
bevor sie dann die alte "Fährten"- Richtung einschlug.
Bedeutend weniger zügig als am Vortag und mit mehr kontrollieren
auf Wegverzweigungen, ging aber Caja die selbe Strecke wie am Tag zuvor.
Als Caja wiederum ins Dorf wollte, haben wir angehalten, damit Caja nicht
nochmals den ganzen selben Weg absuchen musste.
Izabell zog ca. in der Hälfte der Strecke in den Wald und hat sich
sehr aufgeregt verhalten, so dass wir uns absprachen und unterhalb des
Waldes den Weg mit Caja absuchten, ob Fönsi allenfalls den Wald durchquert
hat. Caja schreckte ein Reh auf, schaute ihm kurz nach und arbeitete dann
weiter. Etwas später ging Caja ebenfalls in den Wald rein, auch sie
wurde ganz aufgeregt und suchte sehr hastig hin und her. Der Hang war
so steil, dass ich kaum Halt fand zum Laufen oder Stehen, oft rutschte
ich weg und konnte mich nur noch an einem Baum festhalten. Dieser Wald
war ein enormer Dschungel, auf Hüfthöhe waren die "Lianen"
dermassen ineinander verschlungen, dass ich meistens auf allen Vieren
unten durch kriechen musste. Manchmal musste ich Caja loslassen und hatte
alle Mühe ihr zu folgen. Die Wildtiere hatten unter diesem Dickicht
ein eigenes "Wegnetz" angelegt. Es war unglaublich, es waren
halbe "Autobahnen", diese Trampelpfade waren nur etwa 15 cm
breit und ca. 50cm hoch, so dass sie richtige Tunnels bildeten. Caja führte
mich an Fuchs- und, oder Dachshölen vorbei ohne diese weiters zu
beachten. Leider konnte ich aber nicht feststellen was Caja genau in diesem
Dickicht doch sehr hastig und aufgeregt suchte. Da es für mich relativ
gefährlich in diesem steilen Hang war, unterbrach ich die Suche hier
mit Caja. Familie Löhrli sollte den Wald beobachten und mit vielen
Leuten, ev. mit Flächensuchhunden aus einem Kynologischen Verein
durchkämmen, da doch die Möglichkeit bestand, dass Fönsi
sich darin versteckt hielt. Mit Caja liefen wir danach noch ein Stück
am unteren Waldrand entlang um sie etwas später erneut zur Arbeit
aufzufordern. Sie nahm einen Geruch auf und lief am Fluss entlang, parallel
zur Fährte vom Vortag, es trennten uns nur der Fluss und eine beinahe
senkrechte Felswand. Der
Abstand zur alten Fährte betrug ca. 100 bis max. 200 Meter Luftlinie.
Für Caja stellt dies kein Problem dar, da sie ja nicht nach Bodenverletzungen
sucht, sondern dem Individualgeruch von Fönsi folgt. Dieser wird
durch Wind, Wetter und Geländebeschaffenheit zum Teil weit von der
effektiven Fährte weggetragen. Wir verfolgten diesen Geruch bis auf
gleiche Höhe wie am Vortag. Da wir alle sehr müde waren und
diese erneute Suche keine weiteren Erkenntnisse ergab, beschlossen wir,
die Suche abzubrechen. Caja wollten wir etwas schonen, damit wir sie auf
eine ev. frische Fährte ansetzen könnten, falls Fönsi gesichtet
würde.
Wir waren voller Hoffnung,
dass wir Fönsi finden würden, leider hat auch die Hilfe unserer
Hunde kein Erfolg gebracht, so dass wir natürlich alle etwas geknickt
waren. Caja wie Izabelle haben ihr Bestes gegeben aber leider führt
nicht jede Arbeit zum erwünschten Erfolg.
Wir hoffen, dass Fönsi
bald gefunden wird und drücken ganz fest die Daumen.
http://www01.blick.icpro.de/PB2G/PB2GA/pb2ga.htm?snr=13344
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