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KURZINFO

erschienen am Donnerstag 12.April 2002 in der
Tierwelt

<<Otterhound Caja spürt vermisste Tiere auf>>

Für die sechsjährige Caja gibt es nichts Aufregenderes, als Lebewesen auf Grund ihres Individualgeruches zu suchen. Während die populären Bluthunde für die Menschensuche eingesetzt werden, haben sich Gabi Schulthess und Caja aus dem aargauischen Vordemwald auf das Aufspüren von Tieren spezialisiert.

Gabi Schulthess ist die einzige Züchterin von Otterhounds in der Schweiz. Da diese Rasse über ähnliche Eigenschaften verfügt wie der Bloodhound, begann sie mit der damals jungen Caja die Suchausbildung nach Individualgeruch bei der National Bloodhound Association of Switzerland (NBAS), wo das Team noch immer regelmässig trainiert. Vor zwei Jahren rief eine Freundin aus Stuttgart völlig aufgelöst an. Ihr Hund habe einen Autounfall gehabt, sei verletzt worden und dann auf und davon. Ob sie mit Caja nicht kommen könne. «Zusammen mit einem Kollegen, dessen Bloodhound und Caja fuhren wir nach Stuttgart und fanden den vermissten Hund. Das war ein gutes Erlebnis, da wir unsere Hunde ja bisher ausschliesslich auf Menschensuche trainiert hatten», erzählt Gabi Schulthess in ihrem Heim in Vordemwald AG, wo nebst Caja noch drei weitere Otterhounds leben.

Cajas Jagdtrieb ist schwach

Wie es sein Name sagt, wurde der Otterhound in England und Schottland bei der Jagd auf Otter eingesetzt. Der Jagdtrieb dieser Rasse ist entsprechend ausgeprägt, was die Sucharbeit erschweren kann. Spaziert wird deshalb vorwiegend an der Leine, und selbst dann sucht sich der Otterhound gerne eine eigene Fährte. «Mit Caja haben wir Glück gehabt. Ihr Jagdtrieb ist nicht stark ausgeprägt, sodass sie sich in exponierten Gebieten wie etwa im Wald nicht von einer Wildfährte ablenken lässt. Hingegen ist ihr Suchtrieb oder Arbeitswille umso stärker», freut sich Cajas Halterin. Nachdem das Otterhound Search Team der einen oder anderen Bitte aus dem Bekanntenkreis, entlaufene Tiere zu suchen, erfolgreich nachgekommen ist, hat es sich vor einem halben Jahr voll auf die Tiersuche spezialisiert.

Känguru und Schildkröten

Als im vergangenen Jahr ein Wallaby (eine Känguruart) vermisst wurde, haben Gabi Schulthess und Caja zwei Tage dessen Fährte verfolgen können, bis sie aufgeben mussten. Mehr Erfolg hatten sie beim Aufspüren von Schildkröten. So unglaublich es für den Laien tönt: Auch Schildkröten haben einen Individualgeruch, der so einmalig ist wie ein Fingerabdruck. Bei Besitzern einer einzigen Schildkröte nimmt Caja den Geruch in deren Häuschen auf und beginnt die Suche. «Glück hatten wir beim Besitzer von 27 Tieren, die in einem grossen Gehege gehalten werden. Die vermisste Schildkröte hatte kurz davor noch in einem Transportbehälter uriniert. So war es für Caja ein Leichtes, das Tier aufzuspüren. Ohne einen zuverlässigen Geruchsartikel ist eine Suche gar nicht möglich», erzählt Gabi. Bei entlaufenen Hunden kann das die Haarbürste oder die Schlafdecke sein, leben mehrere Hunde im Haushalt, wirds schwieriger. In diesem Fall müssen diese Tiere ebenfalls am Ausgangsort der Suche sein, ebenso der Besitzer, der die Haarbürste ja auch angefasst hat. So weiss Caja, dass diese Lebewesen nicht gesucht werden müssen.

Hunde in fremder Umgebung

Bisher hat Caja sechs entlaufene Hunde gefunden. Laut Gabi Schulthess handelte es sich dabei stets um Tiere, die von einem ihnen wenig vertrauten Ort abgehauen sind. Der eine Hund türmte beim Tierarzt, zwei waren kurz davor neu platziert worden oder waren ferienhalber an einem neuen Ort. Diese Tiere würden unter einer Art Schock leiden, seien verstört und oftmals habe Caja einen vermissten Hund bis auf Sichtweite aufgespürt, aber auf ein entsprechendes Rufen habe dieser wieder das Weite gesucht. Deshalb zieht Gabi den Besitzer bei, sobald sie das Gefühl hat, dass der entlaufene Hund in der Nähe ist. Dann zieht sie sich mit Caja zurück, damit der Hund der vertrauten Stimme folgen kann. Vergessen werden darf natürlich nicht, dass der flüchtende Hund stets schneller ist als Caja, die an der bis zu sieben Meter langen Suchleine schnüffelt und dabei jede Wegkreuzung ausarbeitet. Das setzt übrigens auch eine gute Kondition der Hundehalterin voraus.

Cajas Tochter in Ausbildung

Asira ist 18 Monate alt und ebenso begeistert, wenn ihr das Suchgeschirr übergestreift wird. Gabi Schulthess freut sich, dass die junge Hündin viel Talent bei der Ausbildung zeigt: «Da sich die Verfolgung eines vermissten Tieres oftmals über Stunden und mehrere Kilometer hinzieht, bin ich froh, dass sich die Hunde bald ablösen können.» Die älteste, positiv gefährtete Spur war fünf Tage alt, doch es ist möglich, noch ältere Fährten aufzuspüren. «Das hängt vom Wetter ab, von der Temperatur oder von der Luftfeuchtigkeit. Starker Wind erschwert die Suche», erklärt Gabi Schulthess. Hat Caja ein Tier gefunden, beginnt sie zu bellen und führt regelrechte Freudensprünge auf. Das hat sie sich selbst beigebracht. Denn es ist Caja nicht möglich, das Auffinden - wie bei der Menschensuche üblich - mit Hochspringen anzuzeigen, da weder eine Schildkröte noch ein eingeschüchterter Artgenosse darüber glücklich wäre.

Nie ohne Belohnung!

Jede Spurverfolgung wird belohnt, egal ob Caja Erfolg hatte oder nicht. Im beschriebenen Fall, wo Caja einen vermissten Hund aufspürt, ihn aber nicht selbst anzeigen darf (der Besitzer wurde hierfür avisiert), wird danach mit ebendiesem Hund eine so genannte Positivfährte gelegt - quasi als Bestätigung für Caja. Wie gut Cajas Nase ist, zeigt das Trainingsbeispiel mit den Ponys: Zwei Ponys haben die genau gleiche Fährte gelegt, Caja hat die beiden 24 Stunden später gefunden und das richtige problemlos bestimmt! «Allerdings hat sie sehr gestaunt, als sie das grosse Tier plötzlich vor sich sah. Das zeigt, dass Caja und natürlich die meisten anderen Hunde, die nach Individualgeruch suchen, ihre Augen kaum einsetzen und ausschliesslich ihrer Nase vertrauen», sagt Gabi Schulthess. Lässt sie Caja wirklich alle Arten von Tieren suchen? Die Hundeführerin verneint: «Kleintiere und Vögel suchen wir nicht, ebenso wenig Schlangen, die in der Kanalisation verschwinden können. Da Katzen über Dächer oder Zäune balancieren können, fallen auch diese weg - ausser sie wurden angefahren, dann haben wir eine reelle Chance, sie zu finden.»

Zusätzliche Informationen zu Suchaufträgen finden Interessenten unter www.otterhound.ch oder bei Gabi Schulthess, Telefon 076 366 24 12.

Christine Naef Tierwelt, Nr. 15, 12. April 2002

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