Rund ein Dutzend Halter von Bloodhounds, alles Mitglieder der National Bloodhound
Association of Schwitzerland (NBAS), hatten in Vordemwald einen Trainingstag mit
ihren Vierbeinern. Um diese Hunderasse mit ihrem überdurchschnittlichen Geruchssinn
optimal für die Fährtenarbeit einsetzen zu können, bedarf es fachkundigen Trainings
für Tier und dessen Halter.
Angelegt wurde die Übung im Gebiet Oeschlisweiher
in Vordemwald. Für die Organisation war Gabi
Schulthess, Vordemwald, besorgt. Sie selber hatte im November letzten Jahres die
erste Otterhound-Zucht in der Schweiz und ist ebenfalls Mitglied der National
Bloodhound Association of Switzerland. Zwei Tage zuvor sind die
Fährten gelegt worden. Am Übungstag war aber nicht nur Fährtenarbeit angesagt,
auch die Kameradschaft wurde unter den Teilnehmern gepflegt. Nicht nur die Hunde
müssen üben, auch ihre Halter bedürfen ständiger Trainings, um die Reaktionen
der suchenden Hunde rasch und sicher interpretieren zu können. «Tracking» und
«Mantrailing» Trainiert werden mit den Hunden das so genannte «Tracking» und das
«Mantrailing». Beim «Tracking» folgt der Hund vor allem den Bodenverletzungen
(Bodenveränderungen), die durch Trittspuren verursacht werden, und bleibt deshalb
sehr nahe an der ursprünglichen Spur, das heisst bei den Fusstritten. Es fällt
dem für diese Fährtenarbeit ausgebildeten Hund eher schwer, Fährten von verschiedenen
Personen zu unterscheiden und Spuren zu verfolgen, welche auf dem Asphalt oder
älter als einige Stunden sind. Bei dieser Art von Fährte wird verlangt, dass die
Hunde mit der Nase tief auf dem Boden exakt auf der Fährte intensiv suchen. Beim
«Mantrailing» verfolgt der Hund (meist sind es Bloodhounds) vor allem dem Individualgeruch
der einen gesuchten Person. Nach der heutigen Auffassung besteht der Individualgeruch
aus Hautpartikeln, Fettsäuren und anderen Körperausscheidungen, welche von Bakterien
zersetzt werden. Diese werden von jeder Person ununterbrochen abgesondert und
hinterlassen eine Spur, die so individuell ist wie ein Fingerabdruck.
Erst rund 30 Bloodhounds in der Schweiz
In der
Schweiz gibt es seit 1996 einige Individualisten, die unter der Leitung von Dr.
med. vet. Marlene Zähner, Widen, versuchten, den Bloodhound in der Schweiz bei
der Polizei und bei den Hundetrainern der Rettungshunde bekannt zu machen. Die
Kantonspolizei Aargau hat derzeit einen Bloodhound in Ausbildung. Die Tierärztin
Marlene Zähner weilte längere Zeit in den USA und hatte die speziellen Trainingsmethoden
von amerikanischen Polizeihunde-Profis erlernt. Nach ihrer Rückkehr konnte sie
die Trainingsmethoden in der Schweiz einführen. Im März 1997 wurde die NBAS gegründet.
In der Zwischenzeit gibt es in der Schweiz um die 30 Bloohounds. Die Association
ist gewachsen. Andere Hunderassen sind dazugekommen: Etwa Bassethounds,
Otterhunde oder Hovawarts.
Zur Geschichte der Bloodhounds
Der Bloodhound gehört in die Gruppe der Laufhunde und ist ein grosser, kräftiger
Jagdhund, der ursprünglich von den französischen Mönchen des Heiligen Hubertus
(Patron der Jagd) gezüchtet wurde. Die schönsten Exemplare schenkten die Mönche
den Königen. Diese nahmen den «Saint Hubert» mit auf die Treibjagd oder er wurde,
dank seines ausgezeichneten Geruchssinns, mit einem Treiber, der sie an der Leine
führte, vorausgeschickt, um das Wild aufzustöbern. Im späteren Mittelalter wurden
die grossen Treibjagden immer seltener und der «Saint Hubert» verlor somit in
Frankreich als auch in England seine ursprüngliche Aufgabe. Es gibt heute nur
noch sehr wenige Meuten mit «Saint Hubert»-Hunden. Glücklicherweise wurde er aber
schon im 11. Jahrhundert nach England exportiert und gelangte von dort mit den
Pilgern nach Amerika. Die Engländer tauften ihn um und nannten ihn «Bloodhound».
Die Namensgebung stammt offenbar von «reinen Blutes» oder «Vollblut», analog zu
den Pferden. In Amerika erkannte man bald seine ausgezeichnete Fähigkeit: seinen
Geruchssinn. Er wurde von Sheriffs und den Deputies adoptiert zu einem Mitglied
und Helfer bei Polizeieinsätzen und als Rettungshund ausgebildet. Sein Training
beginnt schon im 4. oder 5. Monat seines Lebens. Mit viel Spiel und Spass wird
ihm die Suche nach Menschen beigebracht. Ziemlich schnell lernt er dann ältere
Spuren zu verfolgen. Kann Individualgeruch nach Tagen noch riechen Er kann den
Individualgeruch nach Tagen noch riechen. Dies auch bei unterschiedlichsten Temperaturen
und Bodenbeschaffenheiten, ob der Mensch zu Fuss war, sich auf einem Fahrrad oder
in einem Auto fortbewegte.
ZT
online, Freitag 19. Oktober 2001 Herbert Siegrist